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Ein unterschätztes Duo: Wenn Arterien und Venen gleichzeitig leiden!

Arteriosklerose und chronische Venenschwäche gelten als zwei verschiedene Erkrankungen – die eine betrifft die Arterien, die andere die Venen. Doch in der Realität treten sie häufig gemeinsam auf. Gerade Menschen mit chronischer Venenschwäche haben nicht selten auch arteriosklerotische Veränderungen – manchmal unbemerkt, oft unterschätzt. Und umgekehrt zeigen Patienten mit Durchblutungsstörungen der Arterien zunehmend auch Zeichen einer venösen Insuffizienz. Dieses gleichzeitige Auftreten kann die Beschwerden verstärken und die Heilung erschweren – und es verlangt ein besonderes Augenmerk in Diagnose und Therapie.

Ein gemeinsamer Boden: Risikofaktoren, die beide Seiten schwächen

Beide Erkrankungen entstehen meist auf dem Boden ähnlicher Lebensstilfaktoren: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, schlechte Ernährung, chronischer Stress und ein höheres Lebensalter. Auch Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen wirken sich auf Arterien wie Venen gleichermaßen belastend aus. Der Unterschied liegt in der Reaktion der Gefäße: Bei Arterien lagern sich Plaques ab, die das Lumen verengen und zu gefährlichen Engpässen führen können. Venen hingegen verlieren an Elastizität, die Venenklappen schließen nicht mehr richtig, und das Blut versackt in den Beinen.

Doch was in der Praxis oft übersehen wird: Menschen mit sichtbaren Zeichen einer Venenschwäche – etwa Krampfadern, Schwellungen oder Hautveränderungen an den Beinen – tragen häufiger auch unerkannte arteriosklerotische Veränderungen in sich. Gerade bei älteren Menschen oder bei denen, die bereits Gefäßprobleme hatten (z. B. Thrombosen), zeigt sich dieses Zusammenspiel besonders häufig. Die Venen werden klinisch sichtbar – die Arterien oft erst dann, wenn es zu ernsthaften Komplikationen kommt.

Die Beine als Warnsystem – doppelte Durchblutungsstörung

Ein beunruhigender Befund in der Gefäßmedizin ist, wenn eine chronisch-venöse Insuffizienz und eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) gemeinsam auftreten. In diesen Fällen ist der venöse Rückfluss gestört, und gleichzeitig gelangt über die verengten Arterien zu wenig sauerstoffreiches Blut in die unteren Extremitäten. Die Folge: Das Gewebe in den Beinen ist doppelt belastet – einerseits durch den Blutstau, andererseits durch den Sauerstoffmangel.

Diese Kombination führt nicht nur zu stärkeren Beschwerden, sondern auch zu einer erhöhten Gefahr für schlecht heilende Wunden, Hautveränderungen oder Infektionen. Ulcera cruris – also chronische, offene Beine – treten in solchen Fällen besonders hartnäckig auf und sprechen schlechter auf übliche Behandlungen an. Für die Betroffenen bedeutet das oft längere Heilungsverläufe, häufigere Arztbesuche und eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.

Warum die Kombination so schwer wiegt

Wenn Arterien und Venen gleichzeitig krank sind, geraten die fein abgestimmten Mechanismen der Blutversorgung und -rückführung aus dem Gleichgewicht. Eine gut funktionierende Mikrozirkulation – also der Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen im Gewebe – ist dann kaum noch möglich. Schwellungen, Entzündungen und Gewebeschäden verstärken sich gegenseitig. Medikamente, Kompression oder Bewegung helfen zwar – doch sie greifen nicht mehr so effektiv wie bei isolierten Gefäßproblemen.

Hinzu kommt, dass die Beschwerden sich in der Wahrnehmung überlagern: Schmerzen beim Gehen (typisch für Arteriosklerose) und Schweregefühl oder Druck (typisch für Venenschwäche) treten oft gleichzeitig auf. Das kann die Diagnose erschweren – besonders, wenn ein Bereich dominiert und der andere übersehen wird.

Was Betroffene und Behandelnde beachten sollten

Wer unter chronischer Venenschwäche leidet, sollte grundsätzlich auch auf seine Arterien achten lassen – vor allem, wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes bestehen. Umgekehrt gilt: Menschen mit bekannter Arteriosklerose sollten bei Beinbeschwerden auch an eine mögliche Venenschwäche denken. Eine gezielte Doppler- oder Duplex-Sonografie der Beinarterien und -venen kann Aufschluss geben.

In der Therapie ist eine ganzheitliche Gefäßbetrachtung entscheidend. Kompressionstherapie – bei Venenschwäche oft unverzichtbar – muss bei gleichzeitig bestehender pAVK sorgfältig abgewogen werden, da sie den arteriellen Zufluss weiter einschränken kann. Bewegung, Ernährung, Gewichtsregulation, Rauchstopp und konsequente Behandlung von Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind für beide Erkrankungen gleich wichtig.

Fazit: Zwei Erkrankungen, ein Gefäßsystem – und eine gemeinsame Verantwortung

Arteriosklerose und chronische Venenschwäche sind mehr als nur parallele Krankheitsbilder – sie verstärken sich gegenseitig, wenn sie unbeachtet bleiben. Beide greifen in die Durchblutung der Beine ein, beide können chronisch verlaufen, beide erfordern Wachsamkeit und gezielte Therapie. Wer die Zeichen früh erkennt und umfassend behandelt, kann das Fortschreiten verlangsamen, die Lebensqualität verbessern – und schwerwiegende Komplikationen vermeiden. Denn die Gesundheit der Gefäße beginnt nicht erst im Herzen – sie beginnt oft ganz unten, in den Beinen.

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