„Natürlich“, „sanft“, „harmlos“ – so klingen viele Präparate. Genau dann lassen wir oft die Vorsicht fallen. Dieser Text will nichts verteufeln. Er soll sensibilisieren, genauer hinzusehen: auf die Mittel selbst, auf die übrigen Medikamente – und auf dich. Wichtig dabei: Sowohl pflanzliche Mittel als auch homöopathische Präparate bringen Stoffe ins System, die in Kombination Wechselwirkungen auslösen können – etwa echte Pflanzenwirkstoffe, Alkohol in Tropfen oder Hilfsstoffe. Deshalb zählt immer das Gesamtbild.

Eine kleine Geschichte – und eine große Lehre
Neulich erzählte mir eine Bekannte, zierlich und schon etwas älter, von ihrem Blutdruck: morgens oft zu niedrig, abends zu hoch. Ihre verordneten Blutdrucktabletten nahm sie unregelmäßig – mal eine halbe Metoprolol-Succinat 47,5 mg, mal eine halbe Candesartan 16 mg, bei Bedarf Felodipin, wenn die Werte „zu doll“ wurden. Außerdem wollte sie Korodin-Tropfen gegen die morgendliche Kreislaufschwäche nehmen. Und morgens schluckte sie vier Tabletten eines pflanzlichen Darmpräparats: Myrrhinil-Intest.
Im Gespräch zeigte sich, warum diese Mischung heikel sein kann: Myrrhinil-Intest enthält Kaffeekohle. Kohle wirkt im Darm wie ein Schwamm und kann Wirkstoffe binden. Nimmt man Kohlehaltiges zeitgleich mit Dauermedikamenten, kann deren Aufnahme vermindert werden. Bei Blutdruckmitteln ist das riskant: Die Wirkung schwankt – und der Blutdruck gleich mit. Die Folge sind genau jene Achterbahn-Tage, die man vermeiden möchte.
Korodin-Tropfen enthalten keine Kohle, sondern unter anderem Campher und Weißdorn sowie einen deutlichen Alkoholanteil. Sie sind gedacht bei Kreislaufschwäche – nicht als Therapie für Bluthochdruck. Trotzdem gilt: In Kombination ist Vorsicht geboten. Kreislaufanregende Tropfen mit Alkohol können Blutdruck und Herzfrequenz beeinflussen; zusammen mit Betablockern, AT1-Blockern oder Calciumantagonisten kann das den Verlauf unvorhersehbar machen. Wer abends ohnehin zu hohe Werte hat, sollte solche Zusätze zeitlich und inhaltlich mit der ärztlichen Praxis abstimmen – und nicht „nach Gefühl“ einbauen.
Die verordneten Wirkstoffe Metoprolol-Succinat, Candesartan und Felodipin enthalten keine Kohle. In diesem Fall steckt Kohle ausschließlich in Myrrhinil-Intest.
Vorsicht ist Fürsorge, kein Misstrauen
Pflanzliche, homöopathische und frei verkäufliche Mittel können unterstützen. Problematisch wird es, wenn sie unkoordiniert zu Dauermedikamenten dazukommen, Einnahmen schwanken, Abstände fehlen oder Präparate in Situationen eingesetzt werden, für die sie nicht gedacht sind.
- Konstanz statt Stopp-und-Go: Blutdrucksenker wirken am besten, wenn sie regelmäßig nach Plan genommen werden.
- Timing statt Bauchgefühl: Erst die notwendigen Dauermedikamente, mit Abstand später ein kohlehaltiges Präparat – falls medizinisch befürwortet (Faustregel: zwei bis drei Stunden).
- Das Gesamtbild zählt: Diagnose, Begleiterkrankungen, Laborwerte, Alkohol in Tropfen, Schlaf, Ernährung und Tagesstruktur gehören zusammen gedacht.
Wer hilft beim Sortieren?
Erste Anlaufstelle ist die ärztliche Praxis. Dort gehören Diagnose, Therapie und auch die Frage nach Zusatzpräparaten zusammen. Die Praxis kann mit dir einen Einnahmeplan erstellen, Wechselwirkungen prüfen und festlegen, ob und wo pflanzliche oder homöopathische Mittel sinnvoll sind. Heilpraxis kann ergänzende Ideen einbringen – wichtig ist, dass diese mit der ärztlichen Behandlung abgestimmt werden. Es geht nicht um Lagerdenken, sondern um Sicherheit.
Was meine Bekannte geändert hat – und warum es wirkt
Gemeinsam haben wir, in Rücksprache mit dem Arzt, die Einnahme neu geordnet: Die Blutdruckmedikamente wieder konsequent zur gleichen Zeit, Myrrhinil-Intest mit klarem Abstand von zwei bis drei Stunden, und Korodin nur dort, wo es in ihr Kreislaufkonzept passt – nicht als Blutdrucktherapie. Schon nach wenigen Tagen wurde der Alltag ruhiger: weniger Schwindel am Morgen, weniger Ausreißer am Abend. Entscheidend war nicht ein „gutes“ oder „schlechtes“ Mittel, sondern das stimmige Zusammenspiel.
Kurz zusammengefasst
Natürlich heißt nicht automatisch unproblematisch. Schau immer nach, was du nimmst – und wie es sich mit allem anderen verträgt. In dem geschilderten Fall steckt Kohle ausschließlich in Myrrhinil-Intest; Korodin-Tropfen, Metoprolol-Succinat, Candesartan und Felodipin enthalten keine Kohle. Bei Kohle gilt: Abstand zu anderen Medikamenten. Bei Korodin gilt: Kombinationen und Zeitpunkt mit der ärztlichen Praxis abklären, weil die Tropfen den Kreislauf beeinflussen können. Unsicher? Nachfragen – das ist gelebte Selbstfürsorge, keine Skepsis.