Hepatitis C ist eine Virusinfektion, die vor allem die Leber betrifft, aber in vielen Fällen weit über die Leber hinaus in das Leben hineinwirkt. Das Schwierige ist nicht nur die medizinische Dimension, sondern die Art, wie diese Erkrankung oft beginnt: leise, unscharf, ohne eindeutige Warnsignale.
Viele Menschen erfahren erst im Krankenhaus, nach einer Blutuntersuchung oder im Rahmen einer Abklärung anderer Beschwerden, dass das Hepatitis-C-Virus in ihrem Körper war oder ist.
Dann steht plötzlich ein Wort im Raum, das groß klingt und schwer wiegt, während man selbst vielleicht seit Monaten nur das Gefühl hatte, nicht mehr richtig zu Kräften zu kommen.
Gleichzeitig gehört Hepatitis C heute zu den Infektionen, bei denen moderne Therapien in den allermeisten Fällen eine Heilung ermöglichen. Diese Kombination aus möglicher Langzeitbelastung und sehr guter Behandelbarkeit führt dazu, dass Betroffene sich oft zwischen Angst und Erleichterung bewegen. Genau dort setzt dieser Text an: Er soll erklären, ohne zu überfahren. Er soll entlasten, ohne zu beschönigen. Und er soll helfen, die Erkrankung als etwas zu verstehen, das man ernst nimmt, aber nicht als unausweichliches Urteil missversteht.
Was Hepatitis C medizinisch bedeutet – und warum sie so oft spät erkannt wird
Hepatitis C wird durch das Hepatitis-C-Virus verursacht, abgekürzt HCV. Dieses Virus befällt vor allem Leberzellen und kann dort eine Entzündung auslösen. Die Leber ist ein Organ, das erstaunlich belastbar ist. Sie kann viel kompensieren, lange Zeit trotz Entzündung funktionieren und Schäden über Jahre hinweg „verdecken“. Genau diese Stärke ist der Grund, warum Hepatitis C so häufig erst spät auffällt.
Für viele Betroffene fühlt sich die Erkrankung in der Anfangszeit nicht wie eine klar erkennbare Krankheit an, sondern wie ein allmählicher Verlust von Stabilität. Man ist schneller erschöpft, weniger belastbar, die innere Energie reicht nicht mehr so weit wie früher. Und gerade weil diese Veränderungen nicht dramatisch beginnen, geraten sie leicht in Konflikt mit dem Alltag: Man versucht, weiter zu funktionieren, erklärt sich die eigene Müdigkeit, und rutscht dadurch oft in eine Phase, in der man sich selbst nicht mehr traut. Diese Unsicherheit ist ein wesentlicher Teil der Belastung – medizinisch wie emotional.
Symptome: Wenn der Körper nicht laut warnt, sondern leise nachlässt
Die akute Phase: häufig unspektakulär, manchmal völlig unbemerkt
Die akute Hepatitis C bezeichnet die erste Zeit nach der Ansteckung, typischerweise die ersten Wochen bis Monate. In dieser Phase hat das Virus bereits begonnen, sich im Körper zu vermehren. Dennoch spüren viele Menschen in dieser Zeit gar nichts. Wenn Beschwerden auftreten, wirken sie oft so unspezifisch, dass sie nicht mit einer Leberentzündung in Verbindung gebracht werden.
Manche Betroffene erleben eine ungewöhnliche Abgeschlagenheit, eine Müdigkeit, die nicht zu ihrem sonstigen Zustand passt. Andere berichten von einem diffusen Krankheitsgefühl, als wäre „etwas im Körper“, ohne dass man es greifen könnte. Appetit kann nachlassen, Übelkeit oder ein Druckgefühl im Oberbauch können auftreten, manchmal auch ein leichter Temperaturanstieg. Diese Symptome sind möglich, aber sie sind nicht zwingend. Deshalb wird Hepatitis C in der akuten Phase häufig nicht erkannt.
Klassische Zeichen einer Lebererkrankung, wie eine Gelbfärbung der Haut oder der Augen, treten bei Hepatitis C in dieser frühen Phase eher selten auf. Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele Menschen genau diese Gelbfärbung als „typisches Leberzeichen“ im Kopf haben. Bleibt sie aus, erscheint eine Leberentzündung für viele schlicht unwahrscheinlich. So kann sich ein Zustand etablieren, in dem der Körper zwar reagiert, aber die Signale nicht eindeutig genug sind, um rechtzeitig ernst genommen zu werden.
Die chronische Phase: Erschöpfung, Denkbelastung und die Zermürbung des Unklaren
Wenn das Immunsystem das Virus nicht von selbst eliminiert, kann sich eine chronische Hepatitis C entwickeln. „Chronisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass es immer schnell schlechter wird, sondern dass die Entzündung über längere Zeit bestehen bleibt. Genau diese Langsamkeit ist häufig das Problem. Sie macht die Erkrankung schwerer sichtbar, aber nicht weniger real.
Eines der häufigsten Symptome ist eine anhaltende Erschöpfung, die viele Betroffene als etwas anderes beschreiben als gewöhnliche Müdigkeit. Es ist nicht einfach „schlafen und dann ist es wieder gut“. Es ist eher das Gefühl, dass der Körper die Fähigkeit verloren hat, sich wirklich zu regenerieren. Manche erleben Tage, an denen selbst kleine Aufgaben unverhältnismäßig viel Kraft kosten. Viele berichten, dass sie immer wieder an ihre Grenzen kommen, ohne zu verstehen, warum. Und weil diese Erschöpfung von außen oft nicht sichtbar ist, entsteht zusätzlich das Gefühl, sich erklären zu müssen.
Häufig kommen Konzentrations- und Denkprobleme hinzu. Betroffene beschreiben, dass Gedanken schneller abreißen, dass die geistige Flexibilität nachlässt, dass sie beim Lesen, Planen oder Entscheiden mehr Anstrengung spüren als früher. Das kann verunsichern, manchmal auch erschrecken, weil es sich anfühlt, als würde man innerlich langsamer. Gerade im Krankenhauskontext, wenn ohnehin Stress, Schlafmangel und Sorgen hinzukommen, kann dieser „Gehirnnebel“ noch stärker auffallen.
Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen sind ebenfalls nicht selten. Dabei ist wichtig, die Richtung nicht zu verwechseln. Natürlich belastet die Diagnose psychisch, und natürlich können Angst und Grübeln Symptome verstärken. Gleichzeitig sind bei Hepatitis C auch immunologische und neurobiologische Prozesse beteiligt, die Stimmung und Belastbarkeit beeinflussen können. Für Betroffene ist es oft eine Erleichterung zu hören, dass diese Veränderungen nicht automatisch „Charakter“ oder „Schwäche“ bedeuten, sondern Teil einer Krankheitsdynamik sein können.
Manche Menschen spüren außerdem Beschwerden im rechten Oberbauch, ein Druckgefühl, ein Unwohlsein nach dem Essen oder eine wiederkehrende Übelkeit. Auch solche Symptome müssen nicht dauerhaft sein. Hepatitis C verläuft bei vielen nicht in einer geraden Linie, sondern in Wellen, mit guten Phasen und schlechteren Tagen. Genau dieses wechselnde Muster kann besonders zermürbend sein, weil es den Eindruck erzeugt, man könne sich auf den eigenen Körper nicht mehr verlassen.
Wenn Hepatitis C nicht nur die Leber betrifft: Beschwerden außerhalb der Leber
Hepatitis C ist keine reine Lebererkrankung. Das Virus kann das Immunsystem dauerhaft aktivieren, und dadurch können Beschwerden auftreten, die auf den ersten Blick gar nicht „lebertypisch“ wirken. Für viele Betroffene ist genau das der Grund, warum sie lange in anderen Fachrichtungen gesucht werden, bevor Hepatitis C als Ursache überhaupt in Betracht kommt.
Ein bekanntes Beispiel sind immunologische Folgeerscheinungen, bei denen sich bestimmte Eiweißkomplexe im Blut bilden können, die Entzündungen in Gefäßen auslösen. Solche Prozesse können sich in Hautveränderungen, Schmerzen, Durchblutungsproblemen oder auch in einer Beteiligung der Nieren zeigen. Für Betroffene kann das besonders belastend sein, weil die Symptome nicht „in ein Bild“ passen und dadurch das Gefühl entsteht, man werde nicht richtig verstanden.
Auch Gelenk- und Muskelschmerzen können im Rahmen einer Hepatitis C auftreten. Sie können an wechselnden Stellen auftreten, mal stärker, mal schwächer, und sie ähneln manchmal rheumatischen Beschwerden. Neurologische Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle sind ebenfalls möglich. Nicht jeder Mensch erlebt diese Symptome, aber wenn sie auftreten, können sie den Alltag deutlich schwerer machen, als es Blutwerte allein vermuten lassen würden.
Für die Prognose und die Therapieentscheidung ist wichtig, solche Beschwerden nicht als „Nebenschauplatz“ zu betrachten. Sie sind oft ein relevanter Teil der Krankheitslast, und bei vielen Betroffenen verbessern sie sich, wenn das Virus erfolgreich behandelt wird. Manchmal braucht es dafür Geduld, weil der Körper Zeit benötigt, um aus einem chronisch aktivierten Zustand wieder herauszufinden.
Wenn die Leber ihre Reserven verliert: Zeichen fortgeschrittener Schädigung
Unbehandelt kann eine chronische Hepatitis C über Jahre zu einer zunehmenden Vernarbung der Leber führen, zunächst als Fibrose, später als Zirrhose. Eine Zirrhose bedeutet, dass normales Lebergewebe in Narbengewebe umgebaut wurde und die Leber ihre Struktur und Funktion zunehmend verliert. Viele Menschen erschrecken, wenn sie das hören, weil es nach einem Endpunkt klingt. Wichtig ist: Nicht jede Hepatitis C führt automatisch zur Zirrhose, aber das Risiko steigt mit der Dauer der unbehandelten Entzündung und mit zusätzlichen Belastungen.
Wenn die Leber deutlich geschädigt ist, können Symptome auftreten, die nicht mehr „diffus“ sind, sondern körperlich eindeutig spürbar und oft bedrohlich wirken. Dazu gehört beispielsweise eine Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin, sehr heller Stuhl oder ein quälender Juckreiz. Wasseransammlungen im Bauchraum oder in den Beinen können entstehen, weil die Leber wichtige Eiweiße nicht mehr ausreichend produziert und weil der Blutfluss durch das vernarbte Organ erschwert ist.
In fortgeschrittenen Situationen können Krampfadern in der Speiseröhre entstehen, die zu Blutungen führen können. Auch eine erhöhte Blutungsneigung mit häufigen blauen Flecken oder verlängerten Blutungen kann auftreten. Manche Betroffene erleben zudem geistige Verlangsamung, Konzentrationsabfall oder Verwirrtheit, weil die Leber Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend entgiften kann. Solche Zeichen sind medizinisch ernst zu nehmen, aber sie sind auch emotional schwer zu tragen, weil sie das Gefühl vermitteln, der Körper verliere Kontrolle.
Gerade im Krankenhaus ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige wissen: Wenn solche Symptome auftreten, ist das kein Zeichen dafür, dass „alles zu spät“ ist, sondern ein Hinweis darauf, dass die Leber Unterstützung und eine präzise, strukturierte Behandlung braucht. Moderne Therapien können auch in fortgeschrittenen Stadien sehr viel erreichen, insbesondere wenn das Virus beseitigt wird und die Leber dadurch nicht weiter entzündet bleibt.
Behandlung: Wie moderne Medikamente das Virus gezielt stoppen – und warum das heute so gut gelingt
Die Behandlung der Hepatitis C hat sich in den letzten Jahren fundamental verändert. Früher gab es Therapien, die stark in das Immunsystem eingriffen, lange dauerten und häufig erhebliche Nebenwirkungen hatten. Viele Betroffene kennen diese Geschichten noch aus Erzählungen oder aus älteren Informationen im Internet und haben deshalb Angst vor der Therapie. Heute ist die Situation in den meisten Fällen eine andere.
Moderne Therapien nutzen sogenannte direkt wirkende antivirale Medikamente, oft als DAA abgekürzt. Diese Medikamente greifen nicht „irgendwie“ in den Körper ein, sondern blockieren sehr gezielt Schritte, die das Virus zwingend benötigt, um sich zu vermehren. Vereinfacht gesagt nimmt man dem Virus seine Werkzeuge weg: das Werkzeug zum Kopieren seines Erbguts, das Werkzeug zum Organisieren der Virusproduktion und das Werkzeug, um virale Bausteine funktionsfähig zu machen. Dadurch kann sich das Virus nicht mehr weiter ausbreiten und verschwindet schließlich aus dem Körper.
Wirkprinzipien: Wo die Medikamente ansetzen
Ein zentraler Angriffspunkt ist die virale Polymerase, ein Enzym, das das Erbgut des Virus kopiert. Wird diese Polymerase blockiert, kann das Virus seine RNA nicht mehr vervielfältigen. Ein zweiter wichtiger Angriffspunkt ist ein Virusprotein, das für die Organisation der Virusvermehrung und den Zusammenbau neuer Viruspartikel wichtig ist. Wenn dieses Protein gehemmt wird, gerät die gesamte Virusproduktion ins Stocken. Ein dritter Angriffspunkt ist die virale Protease, ein Enzym, das Virusbestandteile zuschneidet, damit sie funktionsfähig werden. Ohne diesen Schritt entstehen keine reifen, infektiösen Viren.
Diese Mechanismen klingen technisch, sind aber für Betroffene aus einem Grund wichtig: Sie erklären, warum die Therapie heute so effektiv ist. Das Virus wird nicht „überredet“, zu verschwinden, sondern es wird biologisch in eine Sackgasse gebracht.
Medikamente: Namen, Wirkstoffe und Wirkmechanismus – verständlich erklärt
Epclusa: Sofosbuvir und Velpatasvir
Epclusa ist eine Kombination aus den Wirkstoffen Sofosbuvir und Velpatasvir. Sofosbuvir hemmt die virale Polymerase, also das Enzym, das das Virus für das Kopieren seines Erbguts benötigt. Man kann es sich so vorstellen, dass Sofosbuvir in den Kopiervorgang eingreift und dafür sorgt, dass die Virus-RNA nicht korrekt weitergebaut werden kann. Dadurch wird die Virusvermehrung effektiv gestoppt.
Velpatasvir hemmt ein anderes Virusprotein, das für die Organisation der Virusvermehrung und den Zusammenbau neuer Viruspartikel eine zentrale Rolle spielt. Indem Velpatasvir dieses Protein blockiert, wird der „Bauplan“ der Virusproduktion gestört. Die Kombination aus Sofosbuvir und Velpatasvir bedeutet, dass das Virus gleichzeitig beim Kopieren und beim Organisieren seiner Produktion ausgebremst wird.
Maviret: Glecaprevir und Pibrentasvir
Maviret kombiniert die Wirkstoffe Glecaprevir und Pibrentasvir. Glecaprevir ist ein Proteasehemmer. Das heißt, es blockiert ein virales Enzym, das Virusbestandteile zuschneidet und damit überhaupt erst funktionsfähig macht. Wenn diese Protease gehemmt wird, entstehen keine reifen Virusbestandteile, die neue Infektionen in Leberzellen auslösen könnten.
Pibrentasvir hemmt – ähnlich wie Velpatasvir – ein Virusprotein, das für die Organisation der Virusvermehrung wichtig ist. Die Kombination ist deshalb so wirksam, weil sie dem Virus gleichzeitig die Fähigkeit nimmt, Bausteine korrekt zu verarbeiten, und die Fähigkeit stört, die Virusproduktion effizient zu organisieren. Für viele Betroffene ist Maviret eine gut verträgliche, sehr effektive Therapieoption.
Harvoni: Sofosbuvir und Ledipasvir
Harvoni enthält Sofosbuvir, den Polymerasehemmer, und Ledipasvir, einen Hemmer des Virusproteins, das für die Organisation der Virusvermehrung essenziell ist. Das Wirkprinzip ähnelt damit der Kombination in Epclusa, allerdings mit einem anderen Partnerwirkstoff. In bestimmten Virusvarianten und Behandlungssituationen ist Harvoni eine etablierte Option.
Für Betroffene ist weniger der Name entscheidend als die Konsequenz: Diese Kombinationen greifen gezielt an, stoppen die Virusvermehrung und führen bei den meisten Menschen innerhalb weniger Wochen zu einer dauerhaften Virusfreiheit.
Vosevi: Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir
Vosevi kombiniert drei Wirkstoffe: Sofosbuvir und Velpatasvir, wie bei Epclusa, und zusätzlich Voxilaprevir. Voxilaprevir ist ein Proteasehemmer und erweitert damit das Angriffsspektrum um einen dritten, wichtigen Punkt. Solche Dreifachkombinationen werden häufig eingesetzt, wenn eine vorherige Therapie nicht ausreichend wirksam war oder wenn besondere Resistenzmuster eine Rolle spielen.
Für Betroffene kann es beunruhigend sein, zu hören, dass eine „stärkere“ Kombination nötig ist. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen: Das ist kein Zeichen von Aussichtslosigkeit, sondern Ausdruck davon, dass die Medizin mehrere Werkzeuge hat, um das Virus auch in komplexen Situationen zu beseitigen.
Zepatier: Elbasvir und Grazoprevir
Zepatier kombiniert Elbasvir, einen Hemmer des Virusproteins für die Organisation der Virusvermehrung, und Grazoprevir, einen Proteasehemmer. Diese Kombination wird in bestimmten Konstellationen eingesetzt und ist besonders dann relevant, wenn individuelle Faktoren oder Virusvarianten die Therapieauswahl beeinflussen.
Auch hier gilt: Die Therapie wird nicht „nach Schema“ gewählt, sondern passend zur individuellen Situation. Das ist nicht bürokratisch, sondern medizinisch sinnvoll, weil es die Erfolgswahrscheinlichkeit maximal erhöht.
Ribavirin: ergänzender Wirkstoff in ausgewählten Situationen
Ribavirin ist ein älterer antiviraler Wirkstoff, der heute deutlich seltener benötigt wird als früher. Sein Wirkmechanismus ist weniger „punktgenau“ als bei den modernen direkt wirkenden Medikamenten. Ribavirin kann unter anderem die Fehlerhäufigkeit bei der Virusvermehrung erhöhen und immunologische Prozesse beeinflussen. In bestimmten komplexen Behandlungssituationen kann es ergänzend eingesetzt werden, vor allem dann, wenn das Risiko eines Therapieversagens besonders minimiert werden soll.
Wenn Ribavirin Teil einer Therapie ist, sollte die Begleitung besonders sorgfältig erfolgen, weil Ribavirin Nebenwirkungen verursachen kann, insbesondere auf das Blutbild. Das bedeutet nicht, dass es „gefährlich“ sein muss, aber dass es eine engere medizinische Kontrolle erfordert.
Verträglichkeit, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – worauf es im Krankenhaus besonders ankommt
Viele Betroffene haben vor der Therapie vor allem Angst vor Nebenwirkungen. Diese Angst ist verständlich, weil Hepatitis C früher oft mit schwerer verträglichen Therapien verbunden war. Heute sind die direkt wirkenden antiviralen Medikamente in der Regel deutlich besser verträglich. Dennoch kann es in der Behandlungszeit zu Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit kommen. Für viele Menschen sind diese Beschwerden mild und vorübergehend, aber in einer ohnehin belastenden Lebensphase können selbst milde Nebenwirkungen emotional schwer wiegen.
Im Krankenhaus oder bei mehreren Begleiterkrankungen ist ein anderer Punkt oft noch wichtiger als Nebenwirkungen: die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Manche Magensäureblocker können die Aufnahme bestimmter Wirkstoffe beeinflussen. Bestimmte Herzmedikamente, Medikamente gegen Krampfanfälle oder auch pflanzliche Präparate können die Wirksamkeit der Hepatitis-C-Therapie verändern oder das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein Grund für eine gründliche Abstimmung, damit die Therapie nicht nur wirksam ist, sondern sich auch sicher in den Gesamtplan einfügt.
Für Betroffene ist es oft entlastend, zu wissen: Wenn Ärzte vor Therapiebeginn viele Fragen stellen oder Medikamente genau prüfen, bedeutet das nicht, dass „etwas nicht stimmt“. Es bedeutet, dass man die Behandlung so plant, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich ist und dass unnötige Risiken vermieden werden.
Prognose: Heilung, Erholung und die Frage, was nach der Therapie bleibt
Die Prognose der Hepatitis C ist heute so gut wie nie zuvor, weil in der großen Mehrzahl der Fälle eine Heilung möglich ist. Medizinisch wird eine Heilung daran gemessen, dass das Virus nach Abschluss der Therapie dauerhaft nicht mehr nachweisbar ist. Dieser Moment hat für viele Betroffene nicht nur eine medizinische Bedeutung, sondern auch eine emotionale. Er ist oft das erste Mal seit langer Zeit, dass sich das Gefühl einstellt: Es gibt eine klare Richtung, einen Abschluss, eine echte Perspektive.
Gleichzeitig ist es wichtig, Heilung nicht mit „sofort wieder wie früher“ zu verwechseln. Viele Menschen spüren nach erfolgreicher Therapie eine Verbesserung, aber der Körper braucht Zeit, um aus einem chronisch entzündlichen Zustand herauszufinden. Erschöpfung kann langsam abklingen, Konzentration kann sich schrittweise stabilisieren, und das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit kann zurückkehren, aber nicht immer in einem geraden Verlauf. Gerade Menschen, die lange mit diffusen Symptomen gelebt haben, erleben manchmal, dass die eigentliche Verarbeitung erst nach dem medizinischen Erfolg beginnt.
Entscheidend für die langfristige Prognose ist der Zustand der Leber zum Zeitpunkt der Behandlung. Wenn die Leber noch keine fortgeschrittene Vernarbung entwickelt hat, sind die Chancen sehr gut, dass sich Entzündungsprozesse vollständig beruhigen und die Leber langfristig stabil bleibt. Wenn bereits eine Zirrhose vorliegt, kann die Viruselimination die Prognose dennoch deutlich verbessern, weil die Entzündung als antreibender Faktor verschwindet. Allerdings bleibt in diesem Fall ein erhöhtes Risiko für Leberzellkrebs bestehen, weshalb regelmäßige Kontrollen weiterhin wichtig sind.
Für Betroffene kann das zunächst paradox wirken: Man gilt als geheilt, und trotzdem sind Kontrollen nötig. Es hilft, sich klarzumachen, dass diese Kontrollen kein Misstrauen sind und keine versteckte Botschaft „es ist doch noch gefährlich“. Sie sind eine Vorsichtsmaßnahme, weil Narbengewebe und strukturelle Veränderungen in der Leber eine eigene Langzeitdynamik haben können, selbst wenn das Virus nicht mehr vorhanden ist.
Unbehandelt kann Hepatitis C langfristig schwere Komplikationen verursachen, darunter Zirrhose, Leberversagen und Leberkrebs. Wichtig ist jedoch auch eine differenzierte Perspektive: Nicht jeder unbehandelte Verlauf endet zwingend schwer. Das ändert aber nichts daran, dass die Therapie heute eine außergewöhnlich gute Chance bietet, den Krankheitsprozess zu stoppen, bevor irreversible Schäden entstehen. In dieser Logik liegt die Stärke der modernen Behandlung: nicht nur zu reagieren, wenn es schlimm geworden ist, sondern die Entwicklung zu unterbrechen, solange Reserven noch vorhanden sind.
Meine Meinung: Ernst nehmen, aber nicht in Angst leben
Hepatitis C ist eine Erkrankung, die Menschen oft in einer Phase trifft, in der sie ohnehin verletzlich sind. Nicht selten steht die Diagnose am Ende einer langen Suche oder am Anfang einer neuen Unsicherheit. Was viele Betroffene brauchen, ist nicht nur medizinische Information, sondern eine Art innere Erlaubnis, die Situation ernst zu nehmen, ohne sich davon verschlingen zu lassen.
Die nüchterne Wahrheit ist: Hepatitis C kann die Leber langfristig schädigen und kann über Jahre hinweg Kraft, Klarheit und Lebensqualität beeinträchtigen, auch wenn man es von außen nicht sieht. Die ebenso nüchterne Wahrheit ist aber auch: In den meisten Fällen kann sie heute durch gezielte Medikamente geheilt werden. Zwischen diesen beiden Wahrheiten liegt der Raum, in dem Betroffene wieder Boden unter die Füße bekommen können.






