Leben mit Herzerkrankungen
Eine Herzerkrankung verändert nicht nur einen Befund auf einem Blatt Papier. Sie verändert den Blick auf den eigenen Körper. Plötzlich ist da ein Organ, das man früher nie bewusst gespürt hat – und das nun im Mittelpunkt steht. Jeder schnellere Puls, jedes Stolpern, jede ungewöhnliche Müdigkeit bekommt eine Bedeutung. Das Herz, das sonst leise und selbstverständlich arbeitet, wird zu etwas, das Aufmerksamkeit fordert.
Mit einer Herzerkrankung zu leben bedeutet oft, in einer neuen Wachsamkeit zu leben. Nicht zwangsläufig in ständiger Angst, aber in einem anderen Bewusstsein. Man lernt Begriffe kennen, die vorher fremd waren. Man gewöhnt sich an Kontrollen, an Medikamente, an Zahlenwerte. Man beginnt, seinen Alltag neu zu strukturieren – bewusster, manchmal vorsichtiger. Und gleichzeitig läuft das Leben weiter: Arbeit, Familie, Verpflichtungen, Erwartungen von außen.
Viele Betroffene erleben eine Mischung aus Dankbarkeit und Unsicherheit. Dankbarkeit für Therapien, für medizinische Möglichkeiten, für Tage, an denen das Herz ruhig schlägt. Und Unsicherheit, weil niemand garantieren kann, dass es immer so bleibt. Diese Ambivalenz ist anstrengend. Sie kostet Kraft – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
Hinzu kommt etwas, das Außenstehende oft unterschätzen: Eine Herzerkrankung ist nicht immer sichtbar. Man sieht vielen Menschen ihre Diagnose nicht an. Sie funktionieren, sie lächeln, sie erfüllen ihre Aufgaben. Doch im Inneren begleiten sie Fragen: Wie belastbar bin ich heute? Darf ich mich anstrengen? Was bedeutet dieses Ziehen? Diese Unsicherheit kann isolierend wirken, besonders wenn das Umfeld die Situation unterschätzt oder bagatellisiert.
Leben mit einer Herzerkrankung heißt daher nicht nur, medizinisch gut eingestellt zu sein. Es heißt auch, Vertrauen zurückzugewinnen – in den eigenen Körper, in ärztliche Begleitung, in die eigene Belastbarkeit. Es heißt, Grenzen zu akzeptieren, ohne sich auf sie reduzieren zu lassen. Und es heißt, Schritt für Schritt ein neues Gleichgewicht zu finden zwischen Vorsicht und Lebensfreude.
Das Herz ist ein empfindliches Organ – aber es ist auch ein erstaunlich anpassungsfähiges. Und viele Menschen lernen mit der Zeit, dass eine Herzerkrankung nicht das Ende von Lebensqualität bedeuten muss. Sie ist eine Herausforderung. Eine ernstzunehmende. Aber sie ist nicht das ganze Leben.
Autor: Mazin Shanyoor
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Es beginnt nicht mit einem Drama. Es beginnt mit einem Flattern. Ein Zittern im Brustkorb, das sich anfühlt, als würde das Herz aus dem Takt geraten.
Ein Druck, der sich nicht klar einordnen lässt. Eine Müdigkeit, die sich nicht ausschlafen lässt. Atemnot beim Treppensteigen, die früher kein Thema war. Und dann dieser Gedanke, der sich leise einschleicht: Mit meinem Herzen stimmt etwas nicht.
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- Geschrieben von: Mazin Shanyoor, Visite-Medizin






