Chronische Schmerzen
Chronische Schmerzen sind keine einzelne Erkrankung, sondern ein gemeinsamer Nenner vieler sehr unterschiedlicher Krankheiten. Polyneuropathie, Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Migräne, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und viele andere Leiden können dazu führen, dass Schmerzen nicht mehr nur in einzelnen Momenten auftreten, sondern sich im Leben eines Menschen festsetzen. Was als Symptom beginnt, wird für viele Betroffene zu einem ständigen Begleiter – manchmal sichtbar, oft unsichtbar für das Umfeld.
Dabei können chronische Schmerzen ganz unterschiedlich empfunden werden: als brennend oder stechend bei Polyneuropathie, als tiefer Muskel- und Ganzkörperschmerz bei Fibromyalgie, als lähmender Schub bei MS, als bohrender Kopfschmerz oder Attacke bei Migräne, als krampfartiger Bauchschmerz bei CED. Trotz dieser Vielfalt haben sie etwas Gemeinsames: Sie greifen in den Alltag ein, verändern Schlaf, Leistungsfähigkeit, Stimmung, Beziehungen und das Vertrauen in den eigenen Körper.
Heute weiß man, dass chronische Schmerzen nicht nur ein „lang anhaltender Schmerz“ sind, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus körperlichen, nervlichen, immunologischen und seelischen Faktoren. Nerven können überempfindlich werden, Schmerzsignale verstärken sich, das Gehirn speichert Schmerz wie eine Art „Erinnerung“ ab. Hinzu kommen die emotionale Belastung, die Angst vor neuen Schüben oder Attacken, die oft mühsame Suche nach Hilfe – und nicht selten das Gefühl, nicht richtig verstanden oder ernst genommen zu werden.
Gerade deshalb ist der Blick auf chronische Schmerzen heute ein ganzheitlicher: Es geht nicht nur darum, die Schmerzintensität zu senken, sondern auch darum, Lebensqualität zurückzugewinnen, den Alltag wieder planbarer zu machen und Betroffenen Werkzeuge in die Hand zu geben, um mit ihren Beschwerden besser umgehen zu können – unabhängig davon, ob die Ursache in den Nerven, im Immunsystem, im Muskel- und Bindegewebe, im Darm oder im zentralen Nervensystem liegt.
Es gibt Momente im Leben, in denen Schmerz nicht nur wehtut – er verschiebt etwas in dir. Erst leise, kaum spürbar, dann mit einer Wucht, die du nicht mehr ignorieren kannst. Schmerz nimmt dir nicht einfach nur Kraft oder Beweglichkeit. Er nimmt dir ein Stück von dem Menschen, der du einmal warst. Und irgendwann merkst du, dass du dein Leben anders lebst, anders fühlst, anders denkst als früher.
Du hast dir diese Veränderung nicht ausgesucht. Sie passiert dir. Sie formt deinen Alltag neu, zwingt dich, Grenzen zu akzeptieren, die du nie hattest, und Entscheidungen zu treffen, die du früher nie treffen musstest.
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- Geschrieben von: Mazin Shanyoor, Visite-Medizin






