Hildegard von Bingen
Die Heilungsansätze der Hildegard von Bingen entspringen einem Denken, das Krankheit nicht als isolierten Defekt versteht, sondern als Zeichen eines verlorenen inneren Gleichgewichts. Für Hildegard war der Mensch untrennbar mit Natur, Lebensführung und seelischer Verfassung verbunden. Gesundheit bedeutete für sie Ordnung, Maß und Durchlässigkeit – Krankheit hingegen eine Störung dieses fein austarierten Zusammenspiels.
Im Mittelpunkt ihrer Heilkunde steht die Vorstellung der viriditas, jener inneren Lebenskraft, die Wachstum, Erneuerung und Widerstandsfähigkeit ermöglicht. Wo diese Kraft geschwächt ist, verliert der Mensch an Stabilität – körperlich wie seelisch. Heilung setzt deshalb nicht allein am Symptom an, sondern an den Bedingungen, unter denen Lebenskraft wieder fließen kann. Ernährung, Heilpflanzen, Rhythmus, Fasten, äußere Anwendungen und seelische Haltung greifen dabei ineinander.
Hildegards Medizin folgt keinem mechanischen Schema. Sie ist beobachtend, erfahrungsbasiert und zugleich von einer tiefen Achtung vor der inneren Ordnung des Menschen geprägt. Ihre Heilansätze wollen nicht reparieren, sondern wieder in Einklang bringen. Genau darin liegt ihre anhaltende Wirkung: Sie versteht Heilung als Prozess, der den ganzen Menschen meint – nicht nur seinen Körper.
Weihrauch ist in der Vorstellung vieler Menschen vor allem Duft, Ritual und Kirche. In der Klostermedizin jedoch war er mehr: ein Harz, dem man eine ordnende, klärende und beruhigende Wirkung zuschrieb.
Hildegard von Bingen dachte Heilung nie als schnellen Griff nach einem Mittel, sondern als Rückkehr zu einer inneren Ordnung. Gerade deshalb passt Weihrauch in ihr Denken so gut – nicht als Wunder, sondern als leise Hilfe, wenn im Inneren „zu viel“ ist: zu viel Hitze, zu viel Unruhe, zu viel Überschuss.
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- Geschrieben von: Mazin Shanyoor, Visite-Medizin
Hildegard von Bingen wurde 1098 in Bermersheim vor der Höhe geboren, in eine Welt, in der das Leben von Krankheit, früher Sterblichkeit und religiöser Ordnung bestimmt war.
Als zehntes Kind einer adligen Familie galt sie als sogenanntes „Zehntopfer“ und wurde schon früh für ein Leben im Dienst der Kirche bestimmt.
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- Geschrieben von: Mazin Shanyoor, Visite-Medizin






