Neuropathie
Neuropathie ist kein einzelnes Symptom und keine klar umrissene Erkrankung, sondern ein tiefgreifender Zustand, der das Verhältnis zwischen Körper und Wahrnehmung verändert. Sie beginnt oft unscheinbar – mit Missempfindungen, die sich nicht einordnen lassen, mit einem Kribbeln, das nicht verschwindet, mit Brennen, Taubheit oder Schmerzen, die keinen sichtbaren Auslöser haben. Was zunächst irritiert, wird für viele zu einem dauerhaften Begleiter.
Im Kern betrifft Neuropathie das Nervensystem selbst – jenes feine Netzwerk, das Berührung, Temperatur, Bewegung und Schmerz übersetzt und uns normalerweise zuverlässig durch den Alltag trägt. Wenn diese Übersetzung gestört ist, gerät mehr ins Wanken als nur das körperliche Empfinden. Sicherheit geht verloren. Vertrauen in den eigenen Körper bricht. Alltag, Schlaf, Nähe und Belastbarkeit verändern sich schleichend, oft lange, bevor eine klare Diagnose im Raum steht.
Und genau hier beginnt für viele das eigentliche Problem, das sich schwer erklären lässt, aber sofort spürbar ist: der Körper spricht plötzlich eine Sprache, die man nicht mehr versteht. Da ist ein Brennen ohne Hitze, ein Stechen ohne Wunde, ein Kribbeln, das nicht harmlos bleibt, und manchmal eine Taubheit, die sich anfühlt, als würde ein Teil von einem selbst „aus dem Kontakt“ geraten. Es entsteht diese innere Wachsamkeit, dieses dauernde Prüfen: Was bedeutet dieses Signal? Ist das noch normal? Wird es wieder verschwinden – oder ist es der Anfang von etwas, das bleibt?
Weil Nerven nicht nur Empfindungen weiterleiten, sondern sie formen, verändert Neuropathie häufig mehr als einzelne Stellen am Körper. Sie kann Schlaf rauben, weil der Körper nachts lauter wird. Sie kann Bewegung vorsichtig machen, weil man dem eigenen Empfinden nicht mehr traut. Und sie kann Nähe kompliziert machen, weil Berührung kippen kann: von neutral zu schmerzhaft, von vertraut zu überfordernd. Neuropathie beginnt manchmal leise – und besetzt dann doch Bereiche des Lebens, die früher selbstverständlich waren: Ruhe, Spontaneität, Vertrauen, das Gefühl, im eigenen Körper zuhause zu sein.
Es beginnt nicht mit einem Ereignis, sondern mit einem leisen Bruch!
Neuropathischer Schmerz beginnt selten dort, wo man ihn erwarten würde. Er kommt nicht mit einem klaren Moment, den man später benennen kann. Kein „Seit dem Unfall“, kein „Seit der Operation“, kein eindeutiges Davor und Danach.
Für viele beginnt er schleichend, fast unscheinbar. Ein Brennen, das man noch ignoriert. Ein Kribbeln, das man wegerklärt. Ein Stechen, das man für Zufall hält. Und doch ist da früh dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt – nicht dramatisch, aber irritierend.
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- Geschrieben von: Mazin Shanyoor, Visite-Medizin






