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Es ist ein vertrautes Bild: eine Schale dampfender Reis in einer Garküche in Bangkok, ein würziger Biryani in Indien oder eine Portion Klebreis in Vietnam. Für Milliarden von Menschen ist Reis nicht nur Nahrung, sondern Kultur, Sicherheit und Symbol für Fülle. Auch für Reisende ist er kaum wegzudenken – er begleitet jede Mahlzeit, vom Frühstück bis zum späten Abendessen. Doch so selbstverständlich er erscheint, so unsichtbar ist das Risiko, das in ihm steckt: Arsen. Ein giftiges Halbmetall, das sich im Reiskorn anreichert und durch den Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten noch problematischer werden dürfte. Für Milliarden von Menschen in Asien ist dies ein tägliches Risiko, und auch für Reisende, die längere Zeit dort unterwegs sind, kann es zur gesundheitlichen Belastung werden.

Arsen – ein Gift, das seit Jahrtausenden bekannt ist

Nahaufnahme einer Schale mit weißem Reis
Reis + Klimawandel = mehr Arsen

Arsen ist ein natürlich vorkommendes Element. Schon in der Antike war es berüchtigt als „König der Gifte“ und kam in zahlreichen historischen Vergiftungsfällen zum Einsatz. Heute ist es weniger der gezielte Einsatz, sondern die unbemerkte, alltägliche Aufnahme, die Sorge bereitet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Arsen in seiner anorganischen Form als eindeutig krebserregend für den Menschen eingestuft. Langfristige Belastung kann Haut-, Blasen- und Lungenkrebs auslösen. Darüber hinaus erhöht es das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und neurologische Schäden. Besonders Kinder und Schwangere reagieren empfindlich – hier kann es zu Entwicklungs- und Wachstumsstörungen kommen.

Warum gerade Reis betroffen ist

Das Problem liegt in der Anbauweise. Reis wächst meist in gefluteten Feldern. Diese Anbaumethode schützt die Pflanzen, fördert aber eine besondere Bodenchemie. Unter Sauerstoffmangel lösen sich Eisenverbindungen, die normalerweise Arsen binden. Das Arsen geht ins Wasser über und wird von der Pflanze aufgenommen. Reis speichert es im Korn, also dort, wo es am Ende verzehrt wird.

Im Unterschied zu Weizen oder Mais ist Reis damit eine der wichtigsten Quellen für Arsenaufnahme über die Ernährung. Da in vielen Ländern Asiens täglich mehrere Mahlzeiten aus Reis bestehen, summiert sich die Belastung enorm.

Klimawandel als Beschleuniger

Der Klimawandel verändert die bekannten Risiken grundlegend.

  • Höhere Temperaturen beschleunigen die Mobilisierung von Arsen im Boden.
  • Dürren führen dazu, dass Bauern arsenhaltiges Grundwasser zur Bewässerung nutzen müssen – ein Problem, das heute schon in Bangladesch und Indien Millionen Menschen betrifft.
  • Starkregen und Überschwemmungen spülen zusätzliche Mengen Arsen aus den Böden und setzen es frei.

Studien im Yangtze-Delta in China zeigen, dass die Kombination aus höheren Temperaturen und mehr CO₂ die Arsenaufnahme von Reispflanzen messbar steigert. Modellrechnungen deuten darauf hin, dass die Zahl der Krebsfälle, die auf Arsen in Reis zurückzuführen sind, bis 2050 um fast die Hälfte zunehmen könnte.

Regionale Brennpunkte

Die Belastung ist nicht überall gleich.

  • Bangladesch: Hier gilt die Arsenbelastung als größte chronische Massenvergiftung weltweit. Millionen Menschen trinken arsenbelastetes Wasser und essen täglich Reis, der ebenfalls kontaminiert ist.
  • Indien (Westbengalen, Bihar): Auch hier ist die Kombination aus Grundwasser und Reisanbau problematisch.
  • China (Yangtze-Delta): Ein zentrales Anbaugebiet, in dem der Klimawandel die Arsenkonzentration im Reis nachweislich steigen lässt.
  • Vietnam (Mekong-Delta): Durch den steigenden Meeresspiegel verändert sich die Bodenchemie, was die Aufnahme von Arsen zusätzlich verstärkt.

Gesundheitliche Folgen – schleichend, aber gravierend

Arsenvergiftungen zeigen sich selten sofort. Die Gefahr ist die chronische Aufnahme kleiner Mengen über viele Jahre.

  • Krebs: Haut-, Blasen- und Lungenkrebs sind klar mit Arsen verbunden.
  • Herz-Kreislauf: Langzeitbelastung kann Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen begünstigen.
  • Diabetes: Studien weisen auf ein erhöhtes Risiko hin.
  • Nervensystem: Arsen kann Nerven schädigen und zu Empfindungsstörungen führen.
  • Kinder: Entwicklungsstörungen, Wachstumsverzögerungen und Lernprobleme sind dokumentiert.

Für Reisende gilt: Kurze Urlaubsreisen bergen kaum ein Risiko. Wer jedoch Monate in Asien verbringt und täglich mehrmals Reis isst, sollte sich der Gefahr bewusst sein. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere und Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren und stark von Reis abhängig sind.

Tipps für Reisende

Ganz auf Reis zu verzichten, ist weder realistisch noch nötig. Aber es gibt Wege, die Belastung zu reduzieren:

  • Sortenwahl: Basmati aus Indien und Jasmin aus Thailand enthalten im Schnitt weniger Arsen.
  • Weiß statt braun: Weißer Reis ist weniger belastet, da die äußere Schale entfernt ist.
  • Kochmethoden: Gründliches Waschen und Kochen im Überschusswasser, das anschließend abgegossen wird, reduziert den Arsengehalt um bis zu 60 %.
  • Vielfalt: Wer Nudeln, Hirse, Quinoa oder Kartoffeln als Abwechslung einbezieht, senkt die Belastung deutlich.
  • Wasser: Besonders in ländlichen Regionen Asiens sollte man abgefülltes Wasser oder geprüfte Filter nutzen, da auch Trinkwasser arsenhaltig sein kann.

Warum Europa und Deutschland vergleichsweise sicher sind

Die Lage in Europa unterscheidet sich fundamental von der in Asien. Zum einen ist Reis hier nur Beilage, die Mengen sind also deutlich kleiner. Zum anderen greifen strenge gesetzliche Vorgaben. Die EU hat 2015 Grenzwerte für anorganisches Arsen festgelegt und diese 2023 nochmals verschärft. Weißer Reis darf maximal 0,15 mg/kg enthalten, für Babynahrung gilt ein noch strengerer Wert von 0,10 mg/kg.

Diese Vorgaben werden streng kontrolliert. Importierte Reischargen, die die Grenzwerte überschreiten, gelangen nicht in den Handel. Lebensmittelüberwachungsämter nehmen regelmäßig Stichproben, sodass das Risiko für Verbraucher in Deutschland sehr gering ist. Selbst Menschen, die regelmäßig Reis essen, liegen weit unter den Mengen, die in Asien typisch sind. Für Kleinkinder gilt ein besonders hohes Schutzniveau.

Gesellschaftliche Dimension

Für Reisende ist Arsen ein zeitlich begrenztes Risiko. Für Einheimische ist es ein lebenslanges Problem. Der Klimawandel macht es noch dringlicher, Lösungen zu finden: neue Reissorten, bessere Anbaumethoden wie „alternierende Befeuchtung und Trocknung“, strenge Kontrollen und Aufklärung. Denn wenn ein Lebensmittel, das für Milliarden unverzichtbar ist, zur Gesundheitsgefahr wird, betrifft das nicht nur Einzelne, sondern die Stabilität ganzer Gesellschaften.

Fazit

Reis ist Lebensgrundlage und Symbol für Gemeinschaft, doch unter den Bedingungen des Klimawandels verwandelt er sich in eine Herausforderung für die Gesundheit. Für Reisende in Asien bedeutet das: Wer lange bleibt und täglich Reis isst, sollte bewusst auf Sorten, Kochmethoden und Trinkwasser achten. Für Verbraucher in Europa dagegen bleibt Reis durch strenge Kontrollen und geringeren Konsum weitgehend unbedenklich.

Damit zeigt sich: Dieselbe Schale Reis kann – je nach Herkunft und Umgebung – eine ganz unterschiedliche Bedeutung für die Gesundheit haben. Für Asien stellt sich die große Frage, wie dieses Grundnahrungsmittel in einer wärmeren Welt sicher bleiben kann. Für Reisende bleibt die Botschaft: Bewusst genießen, informiert sein – und sich der unsichtbaren Risiken bewusst bleiben.

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