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Die medikamentöse Behandlung von Morbus Still ist darauf ausgerichtet, eine fehlgesteuerte Entzündungsreaktion des Immunsystems zu kontrollieren. Da es sich um eine autoinflammatorische Erkrankung handelt, liegt der Schwerpunkt nicht auf der Bekämpfung äußerer Auslöser, sondern auf der Regulation körpereigener Entzündungsprozesse. Medikamente sind dabei kein Zusatz, sondern häufig die Grundlage dafür, dass Symptome beherrschbar werden und Organschäden vermieden werden können.

Grundsätzliches zur medikamentösen Therapie

Morbus Still zeigt sehr unterschiedliche Verläufe. Manche Patienten erleben einzelne, klar begrenzte Schübe, andere entwickeln eine chronische Entzündungsaktivität. Entsprechend individuell ist die medikamentöse Strategie. Sie orientiert sich an der Krankheitsaktivität, an der Beteiligung von Organen, an der Stärke der Symptome und an der bisherigen Reaktion auf Therapien.

Wichtig ist zu verstehen, dass Medikamente bei Morbus Still nicht nach einem starren Schema eingesetzt werden. Die Therapie entwickelt sich häufig schrittweise, mit Anpassungen, Wechseln und Kombinationen, bis ein stabiles Gleichgewicht erreicht wird.

Nichtsteroidale Antirheumatika als unterstützende Therapie

Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac wirken, indem sie die Bildung von Prostaglandinen hemmen. Diese Botenstoffe spielen eine Rolle bei Schmerz, Fieber und Entzündung. Bei Morbus Still können diese Medikamente kurzfristig helfen, Fieber und Gelenkschmerzen zu lindern, insbesondere in frühen Krankheitsphasen oder bei milden Verläufen.

Allerdings greifen diese Wirkstoffe nicht in die zentrale immunologische Fehlsteuerung ein. Sie beeinflussen nicht die überaktive Freisetzung von Zytokinen wie Interleukin-1 oder Interleukin-6. Deshalb sind sie bei Morbus Still in der Regel nicht ausreichend, um die Erkrankung dauerhaft zu kontrollieren. Ihre Bedeutung liegt eher in der symptomatischen Unterstützung als in der langfristigen Krankheitssteuerung.

Glukokortikoide als rasch wirksame Entzündungshemmer

Glukokortikoide, meist in Form von Prednisolon oder Methylprednisolon, gehören zu den wirksamsten Medikamenten bei aktiver Erkrankung. Sie greifen breit in das Immunsystem ein, indem sie die Aktivierung zahlreicher entzündlicher Signalwege unterdrücken. Dadurch können sie Fieber, systemische Entzündung und Gelenkbeschwerden häufig innerhalb kurzer Zeit deutlich reduzieren.

Gerade bei schweren Verläufen oder bei Organbeteiligung sind Glukokortikoide oft unverzichtbar. Sie können lebensrettend sein, wenn die Entzündung außer Kontrolle geraten ist. Gleichzeitig ist bekannt, dass eine längerfristige hochdosierte Kortisontherapie mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann. Dazu zählen unter anderem Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes, Gewichtszunahme, Muskelschwäche und eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Aus diesem Grund wird Kortison bei Morbus Still häufig als Übergangstherapie eingesetzt. Ziel ist es, die Entzündung rasch zu kontrollieren und parallel Medikamente einzuführen, die eine langfristige Stabilisierung ermöglichen, sodass die Kortisondosis schrittweise reduziert werden kann.

Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente

Krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente greifen tiefer in das Immunsystem ein und zielen auf eine langfristige Kontrolle der Entzündung ab. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Methotrexat. Methotrexat beeinflusst den Stoffwechsel aktivierter Immunzellen und bremst deren Vermehrung. Dadurch wird die Entzündungsreaktion gedämpft, insbesondere bei Gelenkbeteiligung.

Die Wirkung von Methotrexat tritt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich über mehrere Wochen. Während dieser Zeit sind regelmäßige Blutkontrollen notwendig, da der Wirkstoff Leber, Blutbildung und Immunsystem beeinflussen kann. Bei guter Verträglichkeit kann Methotrexat helfen, Kortison zu reduzieren oder ganz abzusetzen.

Ein weiterer eingesetzter Wirkstoff ist Azathioprin. Azathioprin hemmt die Vermehrung bestimmter Immunzellen und wirkt dadurch immunsuppressiv. Es wird insbesondere dann eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Auch hier sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Diese klassischen Medikamente haben bei Morbus Still eine gewisse Bedeutung, erreichen jedoch nicht bei allen Patienten eine ausreichende Kontrolle der systemischen Entzündung.

Biologische Therapien als gezielte Immunmodulation

Ein entscheidender Fortschritt in der Behandlung von Morbus Still ist der Einsatz biologischer Medikamente, die gezielt einzelne Entzündungsbotenstoffe blockieren. Diese Wirkstoffe greifen direkt in die zentralen Mechanismen der Erkrankung ein.

Interleukin-1 spielt bei Morbus Still eine Schlüsselrolle. Anakinra ist ein Wirkstoff, der den Interleukin-1-Rezeptor blockiert und damit die Wirkung dieses Entzündungsmediators verhindert. Viele Patienten zeigen unter Anakinra eine rasche Besserung von Fieber, Entzündungswerten und Allgemeinzustand. Aufgrund der kurzen Wirkdauer wird Anakinra meist täglich verabreicht.

Canakinumab wirkt ebenfalls auf das Interleukin-1-System, bindet jedoch gezielt Interleukin-1β. Durch seine längere Wirkdauer kann es in größeren Abständen gegeben werden. Diese Therapie kann bei ausgewählten Patienten eine stabile und langfristige Krankheitskontrolle ermöglichen.

Auch Interleukin-6 ist ein zentraler Entzündungsmediator bei Morbus Still. Tocilizumab blockiert den Interleukin-6-Rezeptor und hemmt dadurch entzündliche Signalwege. Diese Therapie kann besonders wirksam sein bei anhaltender systemischer Entzündung und bei ausgeprägter Gelenkbeteiligung.

Biologische Therapien gelten heute bei vielen Patienten mit Morbus Still als besonders wirksam. Sie ermöglichen häufig eine deutliche Reduktion oder sogar ein Absetzen von Kortison. Gleichzeitig erfordern sie eine sorgfältige Überwachung, da sie das Immunsystem gezielt beeinflussen und das Infektionsrisiko erhöhen können.

Therapie bei schweren Komplikationen

In seltenen Fällen kann Morbus Still in ein Makrophagenaktivierungssyndrom übergehen, eine lebensbedrohliche Überreaktion des Immunsystems. In solchen Situationen kommen hochdosierte Glukokortikoide und weitere immunsuppressive Medikamente zum Einsatz, um die Entzündung schnell zu stoppen. Diese Therapien erfolgen unter stationären Bedingungen und erfordern intensive Überwachung.

Langfristige Perspektive der medikamentösen Behandlung

Für viele Betroffene ist die medikamentöse Therapie ein langfristiger Begleiter. Manche benötigen über Jahre hinweg Medikamente, andere können nach stabilen Phasen die Therapie reduzieren oder pausieren. Entscheidend ist dabei nicht das Ziel, möglichst wenig Medikamente einzunehmen, sondern die Erkrankung so zu kontrollieren, dass Folgeschäden vermieden und Lebensqualität erhalten bleibt.

Die medikamentöse Behandlung von Morbus Still hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Durch gezielte Therapien ist es heute bei vielen Patienten möglich, die Erkrankung gut zu kontrollieren. Dennoch bleibt eine enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Ärzten entscheidend, um die Therapie individuell anzupassen und langfristig sicher zu gestalten.

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