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Die Immuntherapie hat sich in den letzten Jahren als vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Brustkrebs etabliert. Durch die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems zielt diese innovative Therapie darauf ab, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. 

Checkpoint-Inhibitoren: Krebszellen ausbremsen

Checkpoint-Inhibitoren sind eine Klasse von Medikamenten, die die natürlichen Bremsen des Immunsystems lösen. Krebszellen nutzen diese Bremsen häufig, um der Erkennung und Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen. Durch die Blockade dieser Bremsen können Checkpoint-Inhibitoren dem Immunsystem helfen, die Krebszellen effektiver anzugreifen. Zu den bekanntesten Checkpoint-Inhibitoren gehören PD-1- und PD-L1-Inhibitoren, die bereits zur Behandlung verschiedener Krebsarten, darunter auch Brustkrebs, eingesetzt werden.

Checkpoint-Inhibitoren: Ein tieferer Einblick in die Befreiung der Immunabwehr

Checkpoint-Inhibitoren greifen in die komplexen Wechselwirkungen zwischen Krebszellen und dem Immunsystem ein, mit dem Ziel, die natürlichen Kontrollpunkte (Checkpoints) zu modulieren, die die Aktivität der Immunzellen regulieren.

Im gesunden Zustand dienen diese Checkpoints dazu, eine überschießende Aktivität des Immunsystems und damit verbundene Schäden an gesunden Zellen zu verhindern. Krebszellen jedoch haben Mechanismen entwickelt, um diese Checkpoints für ihre Zwecke zu nutzen und sich so der Erkennung und Zerstörung durch das Immunsystem zu entziehen. Sie exprimieren spezifische Proteine auf ihrer Oberfläche, die an die Rezeptoren der Immunzellen binden und diese in einen inaktiven Zustand versetzen.

PD-1- und PD-L1-Inhibitoren: Spezifische Angriffspunkte

Die beiden bekanntesten Vertreter der Checkpoint-Inhibitoren sind die PD-1- und PD-L1-Inhibitoren. PD-1 ist ein Rezeptor auf der Oberfläche von T-Zellen, einer spezialisierten Form von Immunzellen. Krebszellen wiederum exprimieren das Protein PD-L1, welches an PD-1 bindet und dadurch die T-Zellen inaktiviert. Die Inhibitoren blockieren diese Interaktion, reaktivieren die T-Zellen und ermöglichen es ihnen so, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.

Bei Brustkrebs haben sich PD-1- und PD-L1-Inhibitoren als besonders vielversprechend erwiesen. Insbesondere bei bestimmten aggressiven Formen von Brustkrebs, wie dem triple-negativen Brustkrebs, zeigen sie Erfolge. Hier konnten bereits verbesserte Ansprechraten und eine Verlängerung des Überlebens durch die Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren beobachtet werden.

Kombinationstherapie: Verstärkte Wirkung

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Kombination von Checkpoint-Inhibitoren mit anderen Krebstherapien, wie der Chemotherapie oder der Strahlentherapie. Durch die Kombinationstherapie soll die Wirkung der Checkpoint-Inhibitoren verstärkt und das Immunsystem noch effektiver gegen die Krebszellen mobilisiert werden.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der beeindruckenden Erfolge stellen Checkpoint-Inhibitoren nicht für alle Brustkrebspatientinnen eine Option dar. Die Wirksamkeit der Therapie kann von verschiedenen Faktoren, wie dem genetischen Profil des Tumors und dem Immunstatus der Patientin, abhängen. Zudem können durch die Aktivierung des Immunsystems auch Nebenwirkungen auftreten, die eine sorgfältige Überwachung erfordern.

CAR-T-Zell-Therapie: Maßgeschneiderte Immunzellen gegen Krebs

Die CAR-T-Zell-Therapie ist eine weitere innovative Form der Immuntherapie, bei der T-Zellen des Patienten im Labor genetisch verändert werden, um spezifische Antigene auf der Oberfläche von Krebszellen zu erkennen und anzugreifen. Nach der Modifikation werden die T-Zellen dem Patienten wieder zugeführt, um die Krebszellen gezielt zu bekämpfen. Diese personalisierte Therapie hat bereits beeindruckende Ergebnisse in der Behandlung von bestimmten Blutkrebsarten gezeigt und wird aktuell in klinischen Studien für die Behandlung von Brustkrebs erforscht.

Immunmodulatorische Medikamente: Das Immunsystem stärken

Neben den oben genannten Therapieansätzen gibt es auch immunmodulatorische Medikamente, die darauf abzielen, das Immunsystem zu stärken und es somit befähigen, effektiver gegen Krebszellen vorzugehen. Dazu gehören beispielsweise Zytokine, die als Botenstoffe im Immunsystem agieren und die Aktivität von Immunzellen regulieren können.

Vorteile und Herausforderungen

Die moderne Immuntherapie bietet viele Vorteile, darunter die Möglichkeit einer gezielten Behandlung, die sich direkt gegen Krebszellen richtet, während gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass einige Patienten von einer langanhaltenden Wirkung profitieren und in einigen Fällen sogar von einer Heilung sprechen können.

Allerdings stehen der Immuntherapie auch Herausforderungen gegenüber. Nicht alle Patientinnen sprechen auf die Behandlung an, und die Gründe dafür sind noch nicht vollständig verstanden. Zudem können Immuntherapien zu teils schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, wenn das Immunsystem auch gesunde Zellen angreift.

Quellen, Leitinien & Studien
  • AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand: April 2022: ago-online.de
  • Patientenratgeber zu den Empfehlungen der AGO Kommission Mamma, Stand: 2022: ago-online.de
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 4.4, Stand: Juni 2021: leitlinienprogramm-onkologie.de (Abrufdatum am 20.08.2023)
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter krebsgesellschaft.de (Abrufdatum am 20.08.2023).

HER2-positiv

  • Joseph A. Sparano et al.: Adjuvant Chemotherapy Guided by a 21-Gene Expression Assay in Breast Cancer, New England Journal of Medicine, June 3, 2018, DOI: 10.1056/NEJMoa1804710
  • Schrodi S et al. Outcome of breast cancer patients with low hormone receptor positivity: Analysis of a 15-year population-based cohort. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 20.August 2021, https://doi.org/10.1016/j.annonc.2021.08.1988

Aromatasehemmer

  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Fachinformation: Exemestan, unter: www.fachinfo.de, (Abruf: 23.08.2023).
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.

BRCA-Mutation

Brustkrebsoperationen

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Anruf: 25.08.2023).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 25.08.2023).
  • AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand: März 2021:
    https://www.ago-online.de

 

 
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